Nachruf Martin Frey
Die Gemeinde Kaunertal trauert um Martin Frey - Ehrenzeichenträger der Gemeinde Kaunertal und Ortschronist der Gemeinde Kaunertal. Martin Frey ist am 24. Oktober 2025 im 72. Lebensjahr verstorben.
Martin Frey war vieles: Chronist, Forscher, Erzähler, Bewahrer unserer Geschichte – aber vor allem wurde er in den letzten Jahrzehnten ein Kaunertaler.
Martin war stets bemüht, die historischen Fragen und Entwicklungen unserer Heimat zu dokumentieren und für alle verständlich aufzubereiten. Es war ihm immer ein großes Anliegen, dass Geschichte nicht in Archiven verstaubt, sondern lebendig bleibt – dass sie erzählt und verstanden wird. So hat er das, was in alten Aufzeichnungen und Erinnerungen verborgen lag, wieder ans Licht gebracht – und das in einer Sprache, die jeder verstanden hat.
Er war für viele von uns eine wahre Anlaufstelle, wenn es um Fragen zur geschichtlichen Entwicklung der Gemeinde, der Vereine oder auch der Familien ging. Sein Wissen war umfassend, sein Gedächtnis erstaunlich – und das Schönste daran: Er hat sein Wissen immer geteilt. Viele, wie etwa Thomas Junker, haben immer wieder auf diesen Erfahrungsschatz zurückgegriffen. Martin hat nie für sich behalten, was er wusste – er hat gegeben, geteilt, erklärt.
Seit den 2000er Jahren hat er zahlreiche Werke geschaffen, die das Kaunertal in den Mittelpunkt stellen. Sein Buch über die Entwicklung des Tourismus im Kaunertal, das er mit einer eindrucksvollen Ausstellung ergänzte, ist heute immer noch nachgefragt (leider aber nicht mehr erhältlich). Mit wissenschaftlicher Gründlichkeit und Liebe zum Detail hat er die Chroniken vieler Vereine erarbeitet – darunter „50 Jahre Musikkapelle Kaunertal“, „120 Jahre Feuerwehr und Schützenkompanie Kaunertal“, die Dokumentation zum Hangkanal am Kaunerberg oder die Geschichte zu 150 Jahre Gepatschhaus.
Und auch im Frühjahr 2025 – bereits gezeichnet von seiner Krankheit - hat er sich nochmals einem großen Projekt gewidmet – der Chronik zum Bergführerwesen im Rahmen der 50. Internationalen Bergführermeisterschaften im Kaunertal. Leider konnte er nicht mehr miterleben, dass seine Ausstellung auch in Wien im Rahmen der internationalen Bergführer Kletterweltmeisterschaften gezeigt wurde. Aber wir wissen: Er hätte sich auf seine Art darüber gefreut – und er wäre stolz gewesen, dass „sein“ Kaunertal dort vertreten war.
Sein letztes großes Herzensprojekt war die Geschichte der Wallfahrtskirche Kaltenbrunn. Hier wollte er noch den Bogen schließen – mit der abgeschlossenen Renovierung 2010 und den Entwicklungen der letzten zwei Jahrzehnte. Selbst vom Pflegebett aus hat er noch gearbeitet, fast rastlos wie immer, mit Notizen, Dokumenten und Gedanken. Leider konnte er dieses Werk nicht mehr vollenden. Aber das, was er hinterlässt, ist unermesslich wertvoll.
Martin war aber nicht nur Forscher und Schreiber, sondern auch Organisator und Geschichtenerzähler. Viele von uns erinnern sich mit einem Lächeln an die Exkursionen, die er organisierte – für unsere Vereine, für die Bürgermeister des Bezirks – etwa nach Berlin und in den Deutschen Bundestag. Wer dabei war, weiß: Mit Martin wurde jede Reise zu einem Erlebnis – gespickt mit Wissen, Humor und Geschichten, die man nie vergisst.
Die Gemeinde Kaunertal, der Tourismusverband Kaunertal und die Kaunertaler Vereine sagen DANKE. Danke für sein unermüdliches Wirken, für sein Engagement, seine Akribie und seine Leidenschaft für das Kaunertal.
Sein Werk – das, er liebevoll das „Kaunertalarvich“ genannt hat – wird bleiben. Es wird noch vielen Generationen eine Quelle sein, um zu verstehen, woher wir kommen, wer wir sind und wie sich unsere Heimat entwickelt hat.
Martin Frey hat Spuren hinterlassen – Spuren, die bleiben.